Bild-Artikel, 11.08.97


"Arbeit ist Scheiße, jeden Tag saufen!"
Neue Punker-Partei randaliert

Polizisten in Pinneberg und im Schanzenviertel verletzt

Wieder erlebte Hamburg ein Wochenende des Punker-Terrors. Bilanz: 16 Verletzte.
Brutaler Höhepunkt am Sonnabend an der Logerstraße (St. Pauli). Ein Punker reißt die Tür eines Peterwagens auf und drischt einer Polizistin eine Flasche ins Gesicht. Der Tater flüchtet, Polizisten bekommen den Befehl, ihn nicht zu verfolgen. Die Polizeiführung möchte keine „Eskalation". Ein Fahnder: „Ich kann's nicht fassen."
Die Gewalt hat wieder mal gesiegt.
Freitag: 250 Hamburger Punker randalieren bei einem Jazzkonzert in Pinneberg. Sie bauen Lautsprecher auf, stören das Konzert mit Punk-Gedröhn. Polizei kommt. Straßenschlacht! Steine und Flaschen fliegen, Gehwegplatten werden aus der Straße gerissen. Scheiben splittern. Pinnebergs Polizei muß Verstärkung aus Hamburg, Niedersachsen und Eutin anfordern. 13 Polizisten verletzt, sechs Punks werden kurzfristig festgesetzt. Eutiner Bereitschaftspolizisten behindern Reporter massiv. „Hier wird nicht geblitzt!, Punker haben auch Rechte."
Die Punker fahren randalierend mit der S-Bahn nach Hause. An der Reeperbahn erwartet sie ein Großaufgebot der Polizei. Pinneberger Zivilfahnder eskortieren derweil einen Punk-Trecker mit Anhänger. 20 Mann hocken drauf. Das Gefährt fährt über Lurup, wo es eine Punk-Villa an der Bahrenfelder Chaussee gibt, zum Bauwagen- und Haschhändler-Platz Gaußstraße in Ottensen. In Schlangenlinien, zeitweise ohne Rücklicht, bei Knallrot über eine Kreuzung Die Polizisten handeln nicht.
Sonnabend: Die „Anarchistische Pogo-Partei Deutschlands" demonstriert in der Hamburger City. 500 Leute. Die Polizei beobachtet: „Die Teilnehmer konsumieren Alkohol in großeren Mengen." Kein Wunder. Schließlich lautet das Motto der Veranstaltung „Saufen, saufen, jeden Tag nur saufen" Und „Arbelt ist Scheiße!" Forderung: „Asoziale an die Macht." Die Punks tragen Portraits der Ilona Christen (TV-Talkerin), „SS-Sigi" (Neonazi) und eines Gorillas.
Die Polizei löst das Saufgelage nicht auf, sondern begleitet es mit 200 Beamten durch die Stadt. Anschließend zechen die Anarchisten im Schanzenpark. Sie überfallen den Peterwagen, ziehen durch St. Pauli. Sie schießen mit Leuchtmunition, werfen Böller und Bierflaschen. Eine Passantin wird am Kopf getroffen.
Festnahmen gibt es nicht. Gestern mittag: Krawall-Punks lagern am Pferdemarkt Motto: "Ausnüchtern am Tag danach."