Bild-Artikel, 25.08.97


Pogo-Partei: Chaot als Spitzenkandidat 

Kripo ermittelt gegen Peter Altenburg 

Sie sind die seltsamste Partei Deutschlands. Motto: „Arbeit ist Scheiße". Ihre wichtigsten Forderungen: „Asoziale an die Macht" und „Saufen, saufen, saufen". Die „Anarchistische Po-go Partei Deutschlands" (500 Mitglieder) tritt bei der Bürger-schaftswahl an. Sind Pogo-Parteigänger mehr als linke Pollt-Clowns?
Der Spitzenkandidat hat eine doppelte Identität. Klarname: Peter Altenburg (36). Pseudonym: Karl Nagel. Er sagt: „Der Namenszusammenhang wurde vom Landeswahlausschuß bestätigt. Beide Namen werden auf dem Wahlzettel aufgeführt."
Altenburg über Altenburg: „Nach Hamburg kam ich vor zwei Jahren, um quasi einen legalen Arm der Chaos-Tage zu formieren. Dieses Ziel habe ich erreicht." Bei Chaos-Tagen in Hannover lieferten sich Punks blutige Schlachten mit der Polizei. Viele Verletzte, gewaltige Sachschäden. Hannovers Kripo ermittelt gegen Altenburg. Er soll im Internet („Cannibal Home Channel") zu Straftaten aufgerufen und Volksverhetzung betrieben haben. Polizeipräsident Klosa wertet das als Erfolg seiner Fahnder. Pogo-Anarchist Altenburg dagegen: „Man braucht bloß zu fragen, wer den Channel angemeldet hat. 
Ich hab' das schon letztes Jahr zugegeben."
Über den Zusammenhang zwischen Pogo-Partei und Chaos-Tagen erklärt er sinngemäß: „Der unorganisierte Pöbel hat zum Sturm auf die Parlamente geblasen."
Pogo-Plakate werden inzwischen schwarz für zehn Mark gehandelt. Die Kampagne kostet bescheidene 30 000 Mark (die SPD gibt 2,6 Millionen Mark aus). Altenburgs Ziel ist allerdings nicht die 5-Prozent-Hürde, ihm genügen 1,5 Prozent. Dann gibt's nämlich Wahlkampfkosten-Erstattung. Die Pogo-Partei will das Geld in Freibier umsetzen. 

Die Anarchistische Pogo-Par-ei bei einer Demonstration. Die Parteizentrale liegt in der Thadenstraße auf St. Pauli.